London 2012 wirft bereits seine SchattenIm bisherigen Turnierverlauf der Champions Trophy musste die deutsche Mannschaft um Trainer Markus Weise nach Siegen über England und Neuseeland am Dienstag eine knappe Niederlage gegen Spanien einstecken. Noch stehen die Türen für den Finaleinzug weit offen. Welchen Stellenwert das Event in Mönchengladbach für ihn hat, welche Schlüsse er daraus für seine künftige Arbeit zieht und welche Schatten bereits das große Ziel London 2012 wirft, berichtet der Bundestrainer in einem exklusiven Interview.
Herr Weise, erlauben Sie uns einen kleinen Rückblick auf das 1. sportliche Highlight des Jahres. Sie sind als amtierender Weltmeister und Olympiasieger zur WM gereist und als Wizeweltmeister zurückgekehrt. Wie beurteilen Sie die Leistung Ihrer Mannschaft in Indien?
Die Mannschaft hat eine großartige Leistung abgeliefert und sich als absolute Einheit präsentiert. Wir sind verdient Vizeweltmeister geworden, eine Topleistung der sehr jungen Mannschaft.
Wie hat sich die Absage der Zeller-Brüder auf die Mannschaft und deren Leistungspotenzial ausgewirkt?
Das ist schwer zu sagen, weil die Antwort darauf hypothetisch ausfallen muss. Andere Spieler, wie zum Beispiel Witthaus, haben sich durch die Absage gesteigert und ein hervorragendes Turnier gespielt. Ich denke, wir wären mit voll austrainierten und voll belastbaren Zeller-Brüdern etwas stabiler gewesen in der Abwehrarbeit und durchschlagkräftiger im Angriff.
Seit vergangenem Samstag spielen die sechs besten Nationen der Welt um die Champions Trophy im Warsteiner Hockeypark. Wer ist aus Ihrer Sicht der Topfavorit für den Titel?
Australien als momentane Nummer 1 in der Welt ist der klare Favorit, was durch die bisherigen Ergebnisse auch bestätigt wird.
Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Team in Mönchengladbach?
Wir wollen eine erfolgreiche CT spielen und das Turnier nach Möglichkeit gewinnen. Außerdem wollen wir die Spiele nutzen als Standortbestimmung einerseits und andererseits als Themensammlung für die kommenden beiden Jahre. Es ist die Generalprobe für die EM 2011 in Mönchengladbach.
London 2012 wirft schon deutlich seine Schatten voraus - sicherlich auch in Ihren Planungen?
Natürlich. Die CT hat bereits für London 2012 Bedeutung. Welcher Spieler präsentiert sich austrainier und belastbar? Wer hält der mentalen und körperlichen Belastung stand und beweist Turnierreife auf höchstem Niveau? Wie reagiert die Mannschaft auf die Erfahrungen im Turnierverlauf? Welche Themen ergeben sich aus den Spielen für die kommenden 2 Jahre? Wo müssen wir uns verändern, was müssen wir tun, um 2012 Wettbewerbsvorteile zu haben?
Wie sieht die Vorbereitung auf das Highlight schlechthin für die deutsche Mannschaft aus?
So wie eigentlich immer. Es wird viele zentrale Maßnahmentage geben, dezentrales Stützpunkttraining, Länderspiele gegen hoffentlich die besten Teams. Das Thema Hallenhockey 2011/2012 muss wieder mal mit den Bundesligisten und den Spielern vernünftig gelöst werden, da Feldhockey olympisch ist und Hallenhockey nicht.
Wird die Mannschaft eher noch mehr verjüngt oder erwarten Sie die Rückkehr von einigen (momentan pausierenden) erfahrenen Athleten?
Ich will leistungswillige und hungrige Spieler nominieren, die in der Vorbereitung nachweisen, dass sie voll austrainiert sind, verletzungsunanfällig, zielorientiert und gierig auf Topleistung im Team. Wie alt die Spieler sind, spielt keine Rolle, es geht um die Leistung und die Belastbarkeit. Aus der U21 drängen starke Spieler in die A-Mannschaft, wir haben ein offenes System, für das sich jeder qualifizieren kann. Es zählen nicht die Meriten vergangener Tage sondern ausschließlich das Leistungsniveau der Gegenwart. Letztlich entscheiden die Spieler, wir gut ihre Chancen auf die Olympischen Spiele sind.








